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Ana wurde in Santarém geboren, der geschäftigen Hauptstadt der Provinz Ribatejo, im Herzen Portugals am Fluss Tejo nordöstlich von Lissabon. Die Stadt mit einer halben Million Einwohner ist auch eine der historischsten Städte Portugals – ein Ort in dem der Fado tief verwurzelt ist. „Ich singe Fado seit meiner Kindheit, weil ich zu Hause damit groß geworden bin,“ blickt Ana zurück. „Meine Eltern sangen ganz gut und bei Familientreffen wurde immer viel gesungen.“
Wie die meisten jungen Leute, interessierte sie sich für andere Musikstile; die Verlockung des Fado flaute allerdings nie ab. Bereits als Sängerin einer lokalen Pop-/Rock-Band ihren späten Teenagerjahren, sang sie bei jedem Auftritt auch immer einen Fado. Eines Tages – es mag fünf oder sechs Jahre her sein - gingen sie und ein paar Freunde aus einer Laune heraus in eines der berühmten Fadolokale Lissabons; einen der Schauplätze, an dem sich Sänger, Gitarristen und Fadobesessene versammeln, um der ergreifenden Musik zu huldigen, die sich im Laufe der Zeit zu Portugals wichtigstem Musikexport entwickelt hat.
Ihre Freunde drängten sie zu singen. „Die Leute mochten mich,“ erinnert sie sich an ihren ersten öffentlichen Ausflug in die Fadokultur zurück. Später im Jahr auf einer Weihnachtsfeier, die von vielen Fadistas (Fadosängern) und Gitarristen begleitet wurde, trat sie erneut auf und wie es das Schicksal so wollte, saß diesmal eine der Ikonen des Fado, Maria de Fe, im Publikum und war durchweg beeindruckt. „Sie fragte mich, ob ich in ihrem Fadolokal singen möchte,“ erinnert Ana sich an diesen Augenblick, der ihre Karriere ins Rollen brachte. „Mein Leben änderte sich, als ich begann, in Fadolokalen zu singen,“ stellt sie heute fest. „Dort gibt es kein Mikrofon und das schafft eine sehr intime Situation. Junge Sänger erhalten dort eine Art Ausbildung und erwerben die Komplexität dieses Genres von den älteren, erfahreneren Sängern.“
Schnell verbreitete sich in der Szene die Kunde von Anas reiner Altstimme, von ihrem angeborenen Talent für anspruchsvollen Stil und nicht zuletzt von ihrem atemberaubenden Aussehen. Sie trat in lokalen Fernsehsendern auf und bekam schwärmerische Konzertkritiken in den Lissabonner Tageszeitungen. Der Musikkritiker Miguel Esteves Cardoso fing das Wesentliche ein, als er die „selten erreichte und von Grund auf einfache Qualität ihrer Darbietung“ und ihre „scheinbar mühlose natürliche Genauigkeit“ pries.
Zur gleichen Zeit da der Fado eine Renaissance der Beliebtheit erfährt, entwickelte Ana sich zu einer führenden Stimme des traditionellen Fado. „Heute,“ erklärt sie, „gibt es eine neue Generation von Fadistas, die zeitgemäße Texte singen. Es gibt ein paar ältere Lieder, die wir jungen Sänger einfach nicht mehr darbieten können, weil die Texte sich mit einer Zeit und mit Themen beschäftigen, mit denen wir uns heute nicht mehr identifizieren können. Wir können sie nicht fühlen, und bei der Interpretation eines Fado kommt es doch so sehr darauf an, authentisch zu fühlen. Jüngere Fadistas singen heutzutage immer öfter Texte, die vom Heute sprechen. Das ist sicher auch einer der Gründe, warum sich junge Leute jetzt wieder mehr für den Fado interessieren.“
Wie Jazz und Country Musik in den USA, Tango in Argentinien und Samba in Brasilien, entsprang der Fado der Kultur der Arbeiterklasse. Und wie die oben genannten Beispiele, entwickelte sich auch dieser Stil über Jahre von seinem bescheidenen Ursprung weiter und gewann eine weit gefächerte Anhängerschaft. „Heute,“ verkündet Ana stolz, „ist Fado in Portugal für jedermann.“
Wie fast jede aufstrebende Fadista ließ sich Ana von der gefeierten Amalia Rodrigues inspirieren, deren Kunst Anas Stil am meisten prägte. „Es war ihre Seele und ihre Stimme,“ kommentiert sie das einzigartige Gepräge in der Musik der verstorbenen Sängerin. „Sie hatte alles in sich. Einige Sänger haben zwar eine großartige Stimme, aber es mangelt ihnen an Seele und Intensität. Andere haben zwar das Gefühl, aber nicht die nötige Stimme. Amalia Rodrigues hatte das alles und konnte zudem noch sehr gut improvisieren.“
Einer der Schlüsseltracks auf ihrem ersten Album (“Guarda-me a Vida na Mão”) befasst sich mit der magnetischen Anziehungskraft, die der Fado auf Ana ausübt: "Sou do fado, sou fadista" (Ich gehöre zum Fado, ich bin Fadista), ein Titel ihres Mentors und primären Mitarbeiters, dem Gitarristen Jorge Fernando, erklärt redegewandt Anas völlige Hingabe an den Fado: „Meine Seele hat sich ihm ergeben, er hat meine Stimme und meinen Leib genommen in Besitz genommen, um es allen zu zeigen. Und ich schloss meine Augen mit dem wehmütigen Verlangen zu singen, zu singen. Und eine Stimme singt sanft zu mir und verzaubert mich, ich gehöre dem Fado, ich gehöre dem Fado, ich bin eine Fadista.“
Gäbe es ein besseren Ort, als ihren internationalen Erfolg in der angesehenen Town Hall in New York zu starten? Ana trat vor einem ausverkauftem Haus auf und auch ihr Album wurde in den USA veröffentlicht.
Ana Moura begann ihre Arbeit am zweiten Album zur gleichen Zeit wie ihre europäischen live Auftritte zu einem gewaltigen Erfolg wurden. Die Auswahl der Lieder ergab “Aconteceu”, ein Doppelalbum, welches in zwei verschiedenen Themen aufgeteilt ist – die erste CD namens “A Porta do Fado”, die dem klassischem Fado nahe geht, und die zweite CD “Dentro de Casa” handelt über den traditionellen Fado. Jorge Fernando, der auch die meisten Arrangements machte, war Produzent wie auch schon beim ersten Album.
Nach der Veröffentlichung von “Aconteceu” (2004) wurde Ana Moura in die berühmte Carnegie Hall in New York zu einem Auftritt eingeladen, sie war die erste Portugiesin die an diesem legendären New Yorker Ort vor ausverkaufter Halle performen durfte. Eine Tour durch die Vereinigten Staaten folgte.
Gebührend ihres internationalen Erfolges und mit dem anwachsenden Publikum in den Niederlanden wurde Ana Moura zu einer weiteren Tour eingeladen, um dort in einer sehr besonderen Venue zu performen: die berühmte Concertgebouw in Amsterdam. Außerdem wurde sie für den Edison Award, einen der angesehensten Preise in der Welt Musik, nominiert.
Hervorzuheben sind die Auftritte beim 7. Annual World Music Festival in Chicago’s Double Hill und in der Concert Hall im Hotel Majestic, sowie die Einladung von Filmproduzt Paulo Branco zum Festival de Cannes. 2006 tourte Ana wieder durch die Niederlanden, um dann im April für zwei ausverkaufte Konzerte im Getty Museum in Los Angeles und in Seattle in den USA zurück zukehren.
Nach dem großen Erfolg von “The Rolling Stones Project vol. 1” – von Pop / Rockkünstlern interpretierte Stones-Songs – entschied Tim Ries, der Berater des Projektes aber auch Bandsaxofonist, eine zweite Platte mit Musikern aus der Weltmusik zu produzieren. Nachdem Tim Ries, ein großer Fan von Amália Rodrigues und generell von Fado, sich Ana Mouras Album in Japan kaufte, lud er sie sofort für seine neue CD ein. Sie trafen sich das erste mal auf dem Rolling Stones Konzert in Oporto und nahmen kurz darauf die Songs – „No Expectations“ und „Brown Sugar“ auf. Jorge Fernando und Custódio Castelo passten diese Songs dem Fado an.
Ende 2006 nahm Ana Moura ihr drittes Album auf, welches 2007 veröffentlicht wurde. In “Para Além da Saudade” singt Ana Moura den traditionellen Fado Blac oder Fado Azenha, aber sie wagte sich auch an ein paar neue Lieder und Beziehungen. Sie singt Vertonungen von Gedichten von Fausto, einem der wichtigsten portugiesischen Singer/Songwriter, Amélia Muge und Nuno Miguel Guedes. Jorge Fernando produzierte, schrieb und komponierte wiederum einige Lieder für “Para Além da Saudade”.
Dieses Album wurde zum ersten Mal live in dem Olga Cadaval Cultural Centre in Sintra vor einem Publikum präsentiert. Nach einer kleinen Tour in Deutschland und den Niederlanden bereitet sie sich auf eine weitere US-Tour vor. Derweil erinnert sich Ana Moura, wie und wo alles begann, und an die Wichtigkeit, diese grundlegenden Verbindungen am Leben zu erhalten. „Früher,“ grübelt sie, „musste ich jeden Tag im Fadolokal singen. Heute ist das aufgrund meines Konzertplans und der Reisen nicht mehr möglich. Wenn die Zeit es erlaubt, kehre ich zurück. Manchmal fühle ich, dass ich dort hingehen muss. Ich brauche das.“