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Der Begriff „Bajo Fondo“ heißt genau genommen Untergrund. Nur, dass ihn wahrscheinlich kein Spanier oder Lateinamerikaner vor dem Erscheinen des Bajofondo Tango Club so verstanden hätte. Tango war mal `bajo fondo´ und ist heute weitgehend en vogue. Der Bajofondo Tango Club zog ihn wieder dorthin, wo er hingehört: in die Untiefen der Clubs, Milongas und Dancehalls. Bajofondo war Argentiniens Antwort auf Brasilectro.
Drei Jahre nach Veröffentlichung ihrer ersten Platte befindet sich die Welt der alternativen Tango-Fusion im Stadium höchsten Bajofondismus! So gewaltig war der Einfluss von Gustavo Santaolalla und Juan Campodonico, Luciano Supervielle und den anderen Bandmitgliedern.
Der Ursprung für dieses Projekt geht in das Jahr 1997 zurück, als der Latin Rock Pionier und angesehene Produzent Santaolalla die Plattenfirma SURCO gründete (ein Joint Venture mit Universal). Es war die erste regionale Latin Plattenfirma, die sich ausschließlich auf Spanischsprachige, alternative Musik spezialisierte und so Heimat für Stars wie Molotov, Juanes, Orishas und viele andere wurde. Millionen verkaufter Platten und eine Handvoll Grammys später wurde VIBRA gegründet. VIBRA, ist eine an SURCO angeschlossene Plattenfirma, die den Schritt in die Welt der elektronischen Musik machte aber dennoch in Kontakt mit ihrer ursprünglichen Identität blieb. So reifte ein Konzept, aus dem 2002 die Bajofondo Tango Club Formation unter der Leitung von Gustavo Santaolalla und Juan Campodónico entstand. Dazu gehören einige der visionärsten und talentiertesten Musiker aus Uruguay und Argentinien.
Nach dem großartigen Erfolg des ersten Albums – Platin bereits kurz nach der Veröffentlichung und diverse Preise wie z.B. ein Latin Grammy in der Kategorie Best Pop Instrumental album – wurde 2004 das zweite Album „Bajofondo Tango Club: presents Supervielle“ aufgenommen, bei dem der gleichnamige Klavierspieler Luciano Supervielle im Vordergrund steht. Wie bereits das erste Album erfuhr es große Akzeptanz und wurde für die MTV Video Musik Awards in der Kategorie Bester Künstler des Jahres nominiert. 2007 wird das dritte Album veröffentlicht, auf dem Gastmusiker wie etwa Nelly Furtado zu hören sein werden.
Den Großteil der Titel des aktuellen Bajo Fondo-Albums schrieb und produzierte Luciano Supervielle. Sein Titel „Forma“ auf dem BFTG-Debut skizzierte bereits brillant die Romantik des Tango und griff dabei nur minimal auf vordergründige Tangoelemente zurück. In Frankreich geboren, lebte Supervielle lange in Mexiko und Uruguay. Er begann seine Karriere in der uruguayischen Hip Hop Band Plátano Macho und spielte später in der Band des uruguayischen Singer-Songwriters Jorge Drexler. Der Weltenbummler Supervielle pendelt heute zwischen Spanien, Frankreich und Uruguay. Und auch wenn seine Musik sich aus diesen und allen möglichen Teilen der Welt bedient, verdankt sie ihren stärksten Einschlag dem Rio de Plata, dem Silberfluss, der Uruguay und Argentinien trennt und der den Tango aus der Taufe hob.
Supervielles Album reiht musikalische Schnappschüsse grandioser Momente in Tango–Color aneinander. Schlichtweg schön, anregend und spannend sind seine Kompositionen, während sie über die 54 Minuten des Albums fließen wie der Rio de Plata. Er lässt den uruguayischen Fussballreporter Victor Hugo Morales die vergangene Fussballglorie Uruguays auf „Centrojá“ heraus schreien, adaptiert den Candombé-Rhythmus auf „Mateo y Cabrera“ und bringt die beiden ungleichen Tango-Nuevo Shooting Stars Daniel Melingo und Cristóbal Repetto (letzterer ist Bajofondist der ersten Stunde) zum Einsatz. Zusammengehalten wird das Album vom romantisch-minimalistischen, schaumlosen Pianospiel Supervielles, das im Direktflug der schwarz-weißen Tasten in unsere verborgenen Tangoseelen vordringt. Die schlussendliche Autorität der Produktion hatten auch auf diesem Album Gustavo Santaolalla und Juan Campodónico - die Masterminds des BFTC. Die restlichen Musiker des elektro-akustischen Kollektivs sind auf dem neuen Album natürlich auch zu hören.