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Contemporary Jazz

Florian Weber

| Deutschland

Jede Grenze ist eine Herausforderung. Ganz besonders für Jazzmusiker, die im Laufe des vergangenen Jahrhunderts die Entwicklungen der Musikgeschichte quasi auf der Überholspur nachvollzogen haben. Alles, was ging, wurde stilistisch und gestalterisch in Frage gestellt, allem voran Melodik, Harmonik und Struktur. Nur Rhythmus ist bislang eine vergleichsweise feste Größe, auch wenn die Free-Ära ihn vom linearen Den-ken eher in Richtung des Pulses gelenkt hat. Wenn man als neugieriger Musiker also weiterhin nach Gren-zen sucht, die sich zu überschreiten lohnen, dann bietet sich hier ein weites Feld. Rhythmus und Metrum gehören zu den letzten Bastionen unserer Klangkultur, die weiterhin viele Geheimnisse in sich tragen, die sich zu erforschen lohnen.

Besonders, wenn man eigentlich aus Mitteleuropa stammt, einer der Weltregionen, die sich traditionell mehr über ausgebuffte Harmonik und ausgefeilte Melodik, als über komplexe Rhythmik definiert. Florian Weber, Sohn einer klassisch umfassend vorgebildeten Familie, bekam schon mit vier Jahren ersten Klavierunterricht, entdeckte aber dann als Teenager den Jazz für sich. Nach dem Studium der Mathematik und Physik arbeite-te sich als Stipendiat an der Berklee School in Boston, Student in Köln und Schüler von Koryphäen wie Jo-Anne Brackeen, John Taylor, Danielo Perez und Paul Bley tief in die Materie des Jazz ein. Florian Weber machte sich noch während seines Studiums einen Namen an der Seite u.a. von Albert Mangelsdorff und Lee Konitz und war trotz seines jugendlichen Alters bald selbst schon eine Autorität der Szene. Er gewann viele nationale und internationale Preise wie den Steinway&Sons Prize in Montreux oder den Jazzprize von Mona-co und seine CD mit dem Trio Minsarah wurde durch die Bestenliste des Preises der deutschen Schallplat-tenkritik ausgezeichnet. Als Folge davon wurde er zu einigen der wichtigsten internationalen Jazzfestivals eingeladen (u.a. Jazzfestival Montreal, Jazztage Berlin, JVC Festival Paris, Kennedy Center in Washington) und bekam als erster deutscher Pianist die Möglichkeit einer Aufnahme mit Lee Konitz im berühmten New Yorker Jazzclub Village Vanguard. Dieses, von der weltweiten Presse hoch gelobte und mit dem Choc de l’Ánnée des französischen Magazins Jazzman ausgezeichnete Album brachte auch jenseits des Atlantik die entsprechende Anerkennung wie zum Beispiel eine herausragende Besprechung im DOWNBEAT “Florian Weber is a terrific pianist“ zeigt.

Heute lebt Florian Weber einen Teil des Jahres in New York, gehört zur immens lebendigen Szene dieser Stadt und kann auf deren Möglichkeiten zurückgreifen, die sich wiederum mit seinen eigenen Vorstellungen überschneiden. Und die betreffen zum einen die Erweiterungen der Klangfarben in der improvisierenden Musik, zum anderen die rhythmische Durchdringung der Kompositions- und Spielkultur. Partner zum Experi-mentieren hat Florian Weber in seinem Umfeld gefunden. Der afrikanische Gitarrist Lionel Loueke beispiels-weise hat sich bereits an der Seite von Koryphäen wie Herbie Hancock bewährt, kann auf musikalische Er-fahrungen seiner Kindheit in Benin zurückgreifen und ist ein früherer Studienkollege aus Berklee. Der Bassist Thomas Morgan ist unter den neuen Gesichtern der derzeit versierteste Alleskönner seines Instruments und Schlagzeuger Dan Weiss ist der meist gesuchte Schlagzeuger in NY wenn es um komplizierte Rhythmik geht. Er ist einer der ganz wenigen Perkussionisten der über eine perfekte Tabla-Technik verfügt und sie auch auf der CD einmal einsetzt.

Mit diesem Team also machte er sich ans Werk. Auf der Agenda standen viele Wünsche. Erstens sollte nicht nur das Klavier, sondern auch das Fender Rhodes einen stimmigen Platz in der Band haben. Zweitens soll-ten nord- und westafrikanische Rhythmen die grundsätzliche Gliederung der Musik prägen, ohne aber den modern jazzigen Charakter an den Rand zu drängen. Drittens galt es, weiteren Pfeiler von Florians Webers Interessenskosmos, die Mathematik und auch Konstruktionsprinzipien aus der Fugenlehre in das Gesamtbild zu integrieren, ohne das Resultat aber zu vertrackt erscheinen zu lassen. Viertens schließlich sollte das Gan-ze vor allem auch Spaß machen und die Zuhörer mitreißen.

So entwickelte sich „Biosphere“ zu einem der spannendsten, weil beiläufig vielschichtigen Alben in jüngerer Zeit. Auf der einen Seite gibt es Kompositionen wie „Piecemeal“, ein Stück im 27/16-Takt, das die Idee moti-visch kleinster Teilchen, mit kontrapunktischen Kontrasten und afrikanischen Strukturvorstellungen verknüpft. Man muss die 27/16tel nun nicht nachzählen - es groovt einfach.

Es gibt aber auch Neudeutungen bekannter Titel wie „Clocks“ von Coldplay oder „Cosmic“ von Jamoriquai die eigentlich aus der Pop Welt kommen.

Vor allem aber gelingt es dieser erstaunlichen Band, auch die vertracktesten Vorlagen leicht, und stellenwei-se sogar funky klingen zu lassen. Es ist die Verbindung von Kopf und Bauch, Intellekt und Erfahrung, die „Biosphere“ den Weg über die Grenzen des Gewohnten hinweg weist. Florian Weber und seinen New Yorker Musikern ist hier ein verblüffendes, wenn nicht sogar grundlegendes Album gelungen das die Tür in neue Klangerfahrungen aufstösst.

Ralf Dombrowski
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Die Mitglieder des multinationalen Trio Minsarah lernten einander im September 2000 kennen, als sie alle drei am Berklee College of Music in Boston studierten. Sie entwickelten eine intensive musikalische Zusammenarbeit und einen außergewöhnlichen, einzigartigen und persönlichen Stil als Trio. Man spielte Konzerte in Deutschland, z.B. in Detmold 2002, eine Jazzclub-Tour 2003, die Kölner Jazznacht 2003, beim Jazzfestival Viersen 2004. Allein im Jahr 2005 standen eine Tour durch Florida, eine weitere Tour in Deutschland (u.a. Berlin, Hamburg, Köln) und eine Tour an der amerikanischen Ostküste (u.a. Washington, Boston) auf dem Programm. Für Sommer 2006 sind wieder eine US-Tour sowie die erste Japantournee geplant.

Das Wort "Minsarah" ist hebräisch und bedeutet "Prisma". Wie ein Prisma das Licht auffächert, so entdeckt das Trio im Ensemble-Spiel neue Klangfarben und Formideen. Die drei bilden ein Team dicht agierender Improvisatoren, besitzen dramatische Intensität, einen unverbrauchten Lyrizismus, einen ganz eigenen melodischen Tonfall und einen Sinn für innovative Abenteuer. Ihre Musik transportiert Balladenstimmungen, wie man sie nie gehört hat, und stürzt sich dann wieder in hochkomplexe Strukturexperimente. Die Presse schrieb nach der ersten Begegnung mit Trio Minsarah: "Eine neue Entdeckung", "Weltklasse", "das Wunder von Köln", "ein erstklassiges Trio", "leuchtend in Ausdruck und Stärke".

Pianist Florian Weber (geb. 1977 in Detmold) spielte schon als Teenager in Klassik- und Jazz-Ensembles und gewann mehrere erste Preise. Er tourte als Solist mit den Russischen Philharmonikern, studierte bei Paul Bley, John Taylor, Richie Beirach u.a. und trat z.B. mit Albert Mangelsdorff und Benny Bailey auf. 2001 gewann er den Steinway-Preis bei der Montreux Jazz Festival Solo Piano Competition. Bassist Jeff Denson (geb. 1976 in Arlington, VA) arbeitete als Freelancer viel an der US-Ostküste und in Europa und spielte mit Lee Konitz, Joe Lovano, Charlie Byrd, Kenny Werner u.a. Er erhielt den Berklee Outstanding Performer Award (2002) und machte an der Florida State University seinen Master-Abschluss (2005). Drummer Ziv Ravitz (geb. 1976 in Beer-Sheva/Israel) begann seine Profi-Karriere mit 13 Jahren. Er spielte mit Joe Lovano, Hal Crook, Mick Goodrick, George Garzone, Lee Konitz u.a. und arbeitete als Hausdrummer im Camelot Jazz Club (Tel Aviv). 2003 erhielt er den Zildjian Scholarship Award.

On Tour

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Pippo Pollina

24.03. DE-Köln
25.03. DE-Bochum
26.03. DE-Kreuztal
28.03. DE-Amberg
29.03. DE-Neustadt an der Waldnaab
30.03. DE-Plauen
02.04. DE-Kaarst

Einer der beliebtesten und erfolgreichsten Liedermacher aus Italien im deutschsprachigen Raum. Nach seiner 1 ½ jährigen Konzertpause geht er 2017 und 2018 in verschiedenen Formationen wieder auf Tournee.