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Gianmaria Testa wird 1958 in der italienischen Provinz Cuneo geboren. Als Spross einer Bauernfamilie, in der alle singen, beginnt auch Gianmaria schon als Junge, am Sonntag in der Kirche zu singen. Gleichzeitig lernt er als Autodidakt das Gitarrespiel und komponierte - kaum dass er die ersten Akkorde gelernt hatte - sein erstes Lied. Nach einigen kurzen Erfahrungen als Gitarrist und Sänger von kleineren Rockgruppen entdeckt er seine Ader als einsamer Instrumentalist.
1993 und 1994 gewinnt er den ersten Preis des Festivals von Recanati, das dem Liedermacher-Nachwuchs gewidmet ist. Im ersten Jahr wird ihm von ein paar begeisterten Kennern der Branche nahegelegt, mehr Rhythmus in seine Kompositionen einfließen zu lassen und sich einen melancholischen Look für die unumgänglichen Fernsehauftritte zuzulegen. Doch Gianmaria, der sich mit den zynischen Regeln des Marktes nicht so recht anfreunden kann, kehrt lieber wieder in seinen Beruf als Bahnhofsvorsteher von Cuneo zurück. (Ein Thema, über das er nicht gerne viele Worte verliert: Seiner Meinung nach ist es nichts Außergewöhnliches, dass ein Bahnhofsvorsteher Lieder schreibt...)
Im darauffolgenden Jahr stellt ihn ein Journalist die französische Produzentin Nicole Courtois Higelin vor, die sich seine Lieder für Stimme und Gitarre auf einem Demoband anhört und gut findet. Ein knappes Jahr danach, 1995, produziert sie in Frankreich die erste CD von Gianmaria Testa, "Montgolfières", auf der seine warme, verhangene Stimme eine Welt aus Wind und Erinnerung, aus Erde und Nebel beschreibt, aus Gegenständen, die von einem Himmel in den nächsten fliegen und aus 'Frauen auf Bahnhöfen' (Donne nelle stazioni), die am Arm irgendeines Anderen wegfahren, ohne sich umzudrehen. Die Musik besteht aus klaren Melodien, die aus einem ebenso üppigen wie persönlichen Universum auftauchen, in welchem Tango, Bossanova, Habanera und Jazz Seite an Seite stehen. Und dennoch sind seine Linien auf das Wesentliche beschränkt, rein und einfach wie festgehaltene Skizzen.
Auf die von der Kritik bestens aufgenommene CD folgt im Februar 1996 der Auftritt in einem der wichtigsten Clubs von Paris, dem New Morning. Bei dieser Gelegenheit entpuppt sich Testa als ein Künstler mit großer Präsenz, der die Freude am Musizieren mit einer ausgezeichneten Gruppe von Musikern wie David Lewis (Trompete), Jon Handelsman (Saxophon, Klarinette), den Brüdern François und Louis Moutin (Kontrabaß bzw. Schlagzeug), Leonardo Sanchez (Gitarre) und René Michel (Akkordeon, Klavier) teilt.
Im Oktober 1996 erscheint seine zweite CD "Extra-Muros" (ebenfalls von Nicole Courtois Higelin produziert). Die Stimme scheint noch reicher und tiefer, während die Instrumentalparts seiner Partner auf im New Morning von großer Freiheit geprägt sind.
Zwischen pulsierenden Jazzrhythmen, ausbrechenden Fanfaren, Pianosoli und plötzlichen Ruheinseln erzählt uns Gianmaria Testa von den Schwierigkeiten, den Tag von der Nacht zu unterscheiden (Il mio gallo), von einer Frau, die es zu entdecken gilt (Come un'America), vom Paradies, das niemals für die Armen bestimmt ist (La ca sla colina), von der Lust, "bis zu dem Punkt, wo der Fluß das Meer streichelt" zu gehen (Il viaggio).
Wenn Testa die Liebe besingt, benutzt er unkonventionelle Bilder: "Deine Liebe ist eine Kastanie, die auf den Lippen und in den Händen brennt und einen Sonntag lang wärmt und satt macht." (Extra-Muros).
Die Kraft und die tiefe Faszination von Testa liegen gerade in der Aufrichtigkeit und in seiner eleganten, gemessenen Art, von der Melancholie, dem Licht und dem Schmerz zu erzählen. Am Bahnhof von Cuneo sieht Gianmaria nicht die Züge, sondern nur leuchtende Punkte auf dem Bildschirm, alles andere gehört der Ebene des Traums und der inneren Freiheit, der Philosophie eines Traumreisenden an.