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Raï, orientalische Pop Musik

Khaled

| Algerien

CD Besprechung „Kenza“
Seit Khaled 1992 den Beinamen Cheb ablegte und sein internationales Debütalbum "Khaled" (inklusive dem Hit "Didi") herausbrachte, hat er sich zu einer festen Größe der globalen Popszene gemausert. Seine Musik kennt und liebt man heute in Afrika und Europa, in Nord- und Südamerika, in Asien und Australien. Er hat den algerischen Rai, der an sich schon eine Mischform ist, mit Stilelementen anderer Provenienz vermischt und ihm so neue Horizonte erschlossen. Behilflich waren Khaled dabei u.a. Produzenten wie Don Was, Philippe Eidel, Clive Hunt, Eric Benzi, Jean-Jacques Goldman, Akhenaton und Imhotep, die den einzelnen Tracks seiner Alben "Khaled", "N'ssi N'ssi" und "Sahra" einen jeweils anderen Charakter verliehen.

Während Philippe Eidel z.B. stärker die traditionelle, orientalische Seite betonte, brachte Don Was den Rai mit fetzigem Funk und neuen urbanen Klängen in Berührung. Clive Hunt förderte Khaleds Annäherung an den Reggae und das in Marseille ansässige Gespann Akhenaton und Imhotep (von Frankreichs aufregendster HipHop-Formation IAM) konfrontierte den in Paris lebenden Algerier mit Rap und einem zeitgenössisch fetten Beat. Den größten Erfolg verzeichnete Khaled allerdings mit der von Jean-Jacques Goldman geschriebenen romantischen Ballade "Aicha". Mit "Kenza", seinem vierten Studioalbum für Barclay, wahrt Khaled zum einen Kontinuität, bricht zum anderen aber auch mit einigen Gewohnheiten - wohlwissend, daß er sich damit der Kritik von Weltmusik-Puristen aussetzt. Neu ist beispielsweise der Einsatz von Scratches in dem Stück "EI Aadyene" und das Verwenden von Drum'n'Bass-Elementen in "Mele Hbibti".

Erneut hat Khaled mit zwei hervorragenden Produzenten zusammengearbeitet, die ihn sicher in die neuen musikalischen Gefilde geleiten: Steve Hillage (der auch schon Alben von Khaleds Kollegen Rachid Taha sowie das Rai-Gipeltreffen "1, 2, 3 Soleils" produzierte) und Lati Kronlund (Leader der Brooklyn Funk Essentials). Mit von der Partie war zudem wieder Jean-Jacques Goldman, der Khaled einmal mehr zwei brillante Songs zum Geschenk machte: "C'est La Nuit" und "Derwiche Tourneur". Zu den Highlights des Albums zählen zwei Gesangsduette. Das erste bestreitet Khaled in einem Remake von"EI Harba" mit der 19jährigen anglo-pakistanischen Sängerin Amar, einer Entdeckung des Percussionisten und Produzenten Talvin Singh. Das andere in einer dreisprachigen (hebräisch, arabisch und englisch) Coverversion der unsterblichen John-Lennon-Ballade "Imagine" mit der israelisch-jemenitischen Sängerin Noa. Auch unter den begleitenden Musikern befinden sich einige mit prominentem Namen: Gitarrist Randy Jones etwa zählt zur Entourage von Don Was und Schlagzeuger Zachary Alford sowie Bassistin Gail-Ann Dorsey kennt man u.a. von "Earthling", dem 97er Album der PopIkone David Bowie. Nach "Sahra" ist Khaled mit "Kenza" ein weiterer Geniestreich gelungen, der den Rai - auch wenn dies nicht allen Fans dieser Musik passen wird - weiter in die ganze Welt hinausführt. Für Khaled gibt es keine Grenzen, weder geographische noch musikalische noch jene zwischen Tradition und Moderne.

 

On Tour

Gianmaria Testa (8319 Bytes)

Gianmaria Testa - VITAMIA

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