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Raï, orientalische Pop Musik

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Jazzecho
“Zurück zu den Wurzeln” lautete das Motto, das Produzent Martin Meissonnier für “Liberté”, Khaleds erstes Album nach fünfjähriger Aufnahmepause, ausgab. Der französische Produzent hatte den algerischen Sänger 1985 in Oran kennengelernt. Es war das goldene Zeitalter des Raï und Khaled verkaufte in jenem Jahr von seiner Musikkassette “Hada Raikoum” sagenhafte drei Millionen Exemplare. Nun wollte Meissonnier Khaled auf “Liberté” musikalisch wieder dort anknüpfen lassen. Dazu nahm er neben vielen brandneuen Songs auch drei Hits aus dieser Phase noch einmal ganz neu auf: “Raikoum”, “La Liberté” und “Yamina”. Waren diese damals mit synthetischen Klängen überfrachtet gewesen, so kommen sie hier erstmals in entschlackten und dadurch wesentlich spannenderen Versionen daher. Auch der Schmalzfaktor bei den balladesken Nummern, der auf Khaleds früheren Alben schon mal gefährliche Höchstwerte erreichen konnte, wurde hier - die Wattestäbchenindustrie mag’s bedauern - deutlich heruntergefahren. Darüber hinaus kreierte Meissonnier im Studio eine Live-Atmosphäre, die dem ganzen Album einen lebendigeren, rauheren Charakter gibt. “Ich wollte das Album unter Live-Bedingungen aufnehmen, ohne Metronom oder Drumcomputer”, sagt Meissonnier. “Ich fand schon immer, daß Khaled bei Konzerten besser ist als auf seinen Studioalben. Denn mit seiner Stimme schaffte er es, seine Band in unglaublicher Weise anzuspornen. Deshalb war meine Idee, Khaled mit den acht Mitgliedern seiner Kerngruppe aufzunehmen. Die meisten von ihnen begleiten ihn seit Jahren bei seinen Auftritten, so wie der Violinist Mohamed Berkane, der schon seit über dreißig Jahren mit Khaled zusammenspielt. Bassist Maurice Zemmour ist nun schon seit neunzehn Jahren der Kopf seiner Band, war bisher aber noch nie auf einem Khaled-Album dabei.” Die restlichen Mitglieder der Kernband sind Gitarrist Alain Perez, Pianist und Keyboarder Eli Chemani, Saxophonist Allen Hoist, Trompeter Philippe Slominski, Posaunist Fabien Cyprien und Schlagzeuger/Perkussionist Julien Tekeyan. Zu ihnen gesellten sich außerdem Amar Chaoui (Tar, Darbuka, Gallal, Perkussion), Abdelhoued Zaim (arabische Laute), Moustapha Didouh (Keyboards) und Aziz Sahmaoui (Gumbri, Ajouj). Khaled selbst ist auch am Akkordeon zu hören, während Martin Meissonnier bei den Nummern “Sidi Rabbi” und “Gnaoui” als Gitarrist einstieg. Rita Marley und ein paar Freunde übernahmen schließlich bei “Raikoum” den
Chorgesang.
Wie in seiner besten Zeit präsentiert Khaled den Raï als den musikalischen Bastard, der er immer schon war: dabei reichen die stilistischen Außeneinflüsse von knalligem Latin-Rock (“Yamina”) über Reggae (“Sidi Rabbi”) bis hin zu marokkanischer Gnawa-Musik und ländlichem Blues (“Gnaoui”). Ein weiteres Highlight ist “Ya Minoun”, das der fabelhafte Julien Tekeyan zum rasanten Schlußpunkt des Albums voranpeitscht.