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Chanson / Jazz / Latin

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Die vollkommenste Form der Verführung ist vermutlich jene, die mit kleinstmöglichen Gesten auskommt. Die Musik von Laura López Castro übersetzt diese These. Es geht hier um Lieder, die einen treffen wie ein schönes Lächeln oder wie ein verführerischer Augenaufschlag. Um Lieder, die nicht vom Stürmischen handeln, sondern eher von jenem magischen Moment, in dem ein Wind aufkommt.
«Laura López Castro y Don Philippe inventan el ser feliz» („Laura López Castro und Don Philippe erfinden das Glück“): Der Titel lhres aktuellen Albums führt gleichzeitig in die Irre und erklärt doch alles. Das Glück, das die beiden Hauptdarsteller hier meinen, hat nichts zu tun mit hochtrabender Heiterkeit. Es ist eine beschauliche stille Form des Glücks, die hier erfunden wird.
Erste Entwürfe dieses Glücks wurden 2003 in Stuttgart skizziert, wo sich die Sängerin Laura López Castro und der Gitarrist, Komponist und Produzent Don Philippe zum ersten musikalischen Austausch trafen. Sie, eine gesellige Schauspielschülerin aus dem Umland von Stuttgart mit spanischen Eltern und einer Schwäche für Björk und Kyuss. Er, ein zurückhaltender urbaner Mittvierziger mit französischen Wurzeln, Mitbegründer der Hip-Hop-Formation Freundeskreis und Besitzer einer – besonders in den Musikzweigen Jazz und Bossa Nova – überaus erlesenen Plattensammlung.
2005 ziehen die beiden nach Berlin, wo sie sich – wegen der guten Akustik – vornehmlich in der Küche der Altbauwohnung Philippes in ihre musikalischen Essays vertiefen. Ihr Erstling «Mi Libro Abierto» erscheint im Frühling 2006 weltweit und arriviert zu einem kleinen Markstein wehmütiger akustischer Seelenmusik. Es folgen ausgedehnte Tourneen, unter anderem eine viel bejubelte Europatournee zusammen mit Stuart A. Staples, dem Sänger der britischen Band Tindersticks.
Gitarre und Stimme; mit diesem Line-Up kommt die Mehrzahl der Songs aus. Eine Gitarre, die aufs erste Hinhören bloß der Sache zu dienen scheint, deren kleine harmonische und rhythmische Finten sich indes beim genauen Zuhören erschliessen. Und Lauras betörende Stimme, die vornehm auf jegliches gekünstelte Pathos verzichtet und doch vom ersten Ton an eine ergreifende Strahlkraft entwickelt. Auf der Bühne werden die beiden von Kontrabass und Cello unterstützt doch auch diese wenigen Mittel werden mit aufreizender Sparsamkeit eingesetzt. Mit einem Minimum an musikalischer Regung wird hier ein Höchstmass an Harmonie entfacht.
Erfunden haben Laura López Castro und Don Philippe nicht nur ihre Lesart des Glücks, sondern ein Musik voller phrasen- und zeitloser Songs, die das Kunststück vollbringen, einen gleichzeitig in Schwermut schwelgen zu lassen, um über diesen Zustand simultan gleich wieder hinwegzutrösten. Lieder, die in ihrer himmeltraurigen Schönheit irgendwie glücklich machen.