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Afrikanischer Sänger-Songwriter

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Die Töne der Kalimba und die gesangliche Reinheit der ersten Takte von ‘Elanga Ya Muinda’ setzen den Klang (und die Kulisse) für Nkolo – ein Album, das nicht nur eines von Lokua Kanzas Meisterwerken sein könnte, sondern gleichsam einen Maßstab für die Musik der Gegenwart setzt – vom Genre der “Weltmusik” ganz zu schweigen. Die Magie währt fort – mit den geschmeidigen Windungen von ‘Dipano’, mit den Nuancen von Spirituals bei ‘Mapendo’, ‘Yalo’ und ‘Oh Yahwe’, mit den Beschwörungsformeln auf ‘Loyenge’, einem Intermezzo mit Thomas Bloch und Sylvain Luc, mit den intimen Reimen von ‘Famille’, einem Duett mit seinem Landsmann Fally Ipupa, und jenen von ‘Nkolo’, begleitet von dem unübertrefflichen William Galison (Harmonika).
Die Faszination wirkt, der Zauber sowieso – gleich mit doppelter Durchschlagskraft bei jenen Stücken, die man schon in der ersten Minute mit pfeift. Ob das der einnehmende Refrain und die brillante Gitarre bei ‘Nakozonga’ sind, oder ‘Soki’ und ‘Vou Ver’ mit ihrer aufgeladenen Atmosphäre direkt aus Brasilien. Oder aber ‘On veut du soleil’ [Wir wollen Sonne], eine Hymne an die Freuden des Lebens, die Lokua Kanza in der Sprache Verlaines singt, als ob er in seiner Wahlheimat seine Wurzeln stärken wollte, jener Szene seines andauernden Erfolgs, der ständig und unaufhörlich wächst.
Seine Stimme dominiert das Ensemble. Manchmal wird sie von Engelschören abgelöst oder unterstützt, von Glocken, einer Pfeife, Trommeln, einer Kinderstimme,… Man findet sich in einer Welt wieder, deren Schlagworte Reinheit und Raffinesse sind, mit einer Hinwendung zur Kunst der Melodie, zu Feinsinn, Anmut, einer Bandbreite von unaufdringlichen Nuancen – und mit geringen Anzeichen von Melancholie, verpackt in Gelassenheit und kombiniert mit einem Gefühl von Verzauberung oder sogar Meditation. Die Zeit scheint manchmal sogar stillzustehen…
Obgleich seiner vielen Interessen und seines enzyklopädischen Wissens über zeitgenössische Musik aller Art ist Lokua Kanza sehr zurückhaltend. Er verbringt seine Zeit zwischen Paris und Rio, und er redet nicht gerne über sich selbst. Wenn man wissen möchte, was er denkt, muss man ihm in die Augen sehen und seinen Gedanken auf die Spur kommen – und natürlich seiner Musik lauschen. Er offenbart lediglich: “Was ich mit dem Album tun will, ist, die Schönheit und Tiefe jenes Afrikas meiner Kindheit zu vermitteln. Gleichzeitig habe ich aber etwas hinzugefügt, und zwar jene Kreativität, die aus all den verschiedenen Einflüssen entsteht, mit denen ich in Berührung gekommen bin”. Und nachdem er erklärt hat, dass sich seine Stimme noch nie so nah an jener Musik anfühlte, die er im Kopf hatte, als er für das Album komponierte, fügt er mit einem Lächeln hinzu: “Ich wollte einen Baobab pflanzen, unter den man sich setzen kann, wenn man nicht ganz auf der Höhe ist oder nach seinen Wurzeln sucht.”
Lokua Kanza wurde in Bukavu geboren, in der Demokratischen Republik Kongo. Sein Vater gehörte dem Volk der Mongo an, bekannt für ihren polyphonen Gesang, und seine Mutter kommt aus Ruanda, ein Land der kunstvollen Hofmusik. In Kinshasa war er von morgens bis abends mit Musik befasst, er sang in der Kirche und entdeckte eine große Vielfalt an Künstlern und Stilen – nicht nur durch Radio und Fernsehen, sondern auch in Clubs, auf der Straße und bei Konzerten. Die Entscheidung Sänger zu werden fällte er, nachdem er eines von Miriam Makebas Konzerten besucht hatte. Ihr Freund Ray Lema gab ihm seine erste Gitarre, und es folgten Auftritte mit einigen Rumba-Bands aus Zaire. Daran schloss sich eine Phase des Studiums am Konservatorium an – Musiktheorie und Orchestrierung. Er konnte von Musik einfach nicht genug bekommen und hörte sich alles an, was ihm unterkam – von Bach über Chanson und Rhythm & Blues bis hin zu Pop und Bossa Nova. Er spielte Gitarre und Mandoline (in beiden Fällen sowohl elektrisch als auch akustisch), genauso aber Bass, Flöte, Piano und elektrisches Keyboard, Sanza und Percussion. Die frühen Tage seiner Karriere verbrachte er am Golf von Guinea, von Zaire bis Elfenbeinküste, doch sein Talent entfaltete sich endgültig während seiner Zeit in der Gruppe des großartigen Sängers Abeti Masikini.
Im Jahr 1984 ging Lokua Kanza nach Paris, um Jazzgitarre zu lernen. Er wurde schnell Teil der dortigen afrikanischen Community und begleitete Ray Lema, Papa Wemba, Sixun und Manu Dibango. Sein erstes Album Lokua Kanza (veröffentlicht 1993) war unglaublich erfolgreich und brachte auch seine Talente als Komponist/Songschreiber zutage. Dieser frühe “Probelauf” wurde zwei Jahre später mit Wapi Yo neue Realität, gefolgt von 3 (1998), Toyebi Te (2003) und Plus Vivant (2005). Nicht zu vergessen TotoBonaLukua zwischen den beiden letztgenannten, ein Album, das mit den Freunden und Kollegen Gérald Toto und Richard Bona entstanden ist.
Die Alben des Troubadours Lokua Kanza sind rare Edelsteine. Aber man muss im Hinterkopf haben, dass dieser Mann ein dreigeteiltes globales Leben führt, mit Europa, Afrika und Brasilien als Eckpunkte der Triangel. Er gibt Konzerte rund um den Globus, und er hat ein weiteres Leben als Komponist, mit Arbeiten für große Namen wie Gal Costa, Miriam Makeba, Sara Tavares, Papa Wemba, Busi Mlhongo, Vanessa Da Mata und sogar Nana Mouskouri. Außerdem wurde er auf der Bühne oder im Studio mit Youssou N’Dour, Geoffrey Oryema, seinem Landsmann Koffi Olomidé, Djavan, Chico Cesar und Al Jarreau gesehen – nicht zu vergessen Noa, Francis Cabrel, Bisso Na Bissso, Passi, Jean-Louis Aubert, Catherine Lara und Enzo Enzo.
Sein neues Album Nkolo ist umso wertvoller angesichts all dieser Erfahrungen. Dem Instinkt folgend, durchflutet von einem inneren Glanz, leuchtet es vor Eleganz und Raffinesse, bleibt aber zugleich ein Zeichen der Nüchternheit. Jeder der zwölf Titel ist wie ein Pastell-Kunstwerk, sanft und dicht. Gesungen in Lingala, Portugiesisch und Französisch verkörpert das Album auch den perfekten kulturübergreifenden Mix, eine Mischung wunderschöner Melodien und strahlender Stimmungen; mit dieser Basis symbolisiert es die ideale Fusion mehrerer musikalischer Kontinente. Und zu guter Letzt – vielleicht der bemerkenswerteste Aspekt von allen – wehrt sich das Album mit seiner Ästhetik gegen jegliche Kategorisierung.