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Sufi / Ambient / World-Beat

Mercan Dede & Secret Tribe

| Türkei

Mercan Dede glaubt daran, dass man beim Zusammenfügen digitaler, elektronischer und handgemachter, menschlicher Klänge eine universell gültige Sprache kreieren kann, die Alt und Jung, Althergebracht und Modern, Ost und West vereinen kann. Das ist eine gewagte Behauptung, aber der in der Türkei geborene und in Montreal wohnende Musiker / Produzent / DJ hat die nötige Karriere und Musik im Rücken, um den Beweis zu führen. Wenn er mit seiner Band Secret Tribe die Bühne erklimmt, bleibt er an der Seite hinter seinen Turntables und der Elektronik positioniert, nimmt manchmal eine traditionelle Holzflöte oder eine Ney zur Hand, um in süß-gehauchten Melodien zu schweben, während die Meister der kanun (Zither), Klarinette, Darbuka und welche Instrumente auch immer Mercan an diesem Abend beschließt einzusetzen, seine Grooves verzieren und magische, tranceartige Melodien erspinnen, um sich den wirbelnden Bewegungen der spektakulären Derwisch-Tänzerin Mira Burke anzupassen.
Der Kontrast zwischen Elektronica und klassischen oder folkloristischen Künsten weist direkt zum Kern der Sufi-Philosophie, von der sich dieser einmalige Künstler leiten lässt. „Diese Dinge sind nicht wirklich getrennt voneinander“, sagt Dede. „Das Wesentliche des Sufismus ist der Kontrapunkt. Alles existiert mit seinem Gegenteil. Auf der einen Seite mache ich elektronische Musik. Die andere Seite davon ist diese richtig akustische, traditionelle Musik.“ Dede bringt nicht nur traditionelle Sounds und Anblicke als Verzierung für seine Technobeats ein. Er ist immer auf der Suche nach neuen Kollaborateuren, und diese können aus jeder Tradition, jedem Land, jeder Generation kommen. Für das US-Debüt von Secret Tribe im Januar 2004 flog er drei Wunderkinder der klassischen türkischen Musik aus Istanbul ein und zwei der während des Konzerts aufgeführten Stücke waren Improvisationen. „Wenn ich einen Musiker auswähle,“ sagt Dede, „muss ich mit ihm über die Persönlichkeit verbunden sein, „herzweise“, wie wir in der Türkei sagen. Wir sollten eine ähnliche Energie und ein ähnliches Empfinden über das Leben haben. Als zweites müssen sie mit dem technischen Teil der Musik vertraut sein. Sobald sie dies hinter sich gebracht haben, muss man sich keine Sorgen machen. Sie können alles spielen.“
Mercan Dede und Secret Tribes glanzvolle Veröffentlichung „Nar“ aus dem Jahre 2002 setzt diese elegante Verbindung aus Alt und Neu umwerfend in die Realität um. Zusammen mit den fesselnden Auftritten der Gruppe schafft es das Album, eine weltweite Anhängerschaft aufzubauen. Wenn die Gruppe in der Türkei auftritt, ziehen sie bis zu 20.000 Zuschauer zu den einzelnen Konzerten. Aber für Dede, dessen Künstlername einer Nebenfigur aus einem zeitgenössischen türkischen Roman entstammt, ist es ein langer, sehr unkonventioneller Weg zum Erfolg gewesen. Dede verbrachte seine Kindheit in den 70er Jahren in armen Verhältnissen eines türkischen Dorfs. Als Sechsjähriger verliebte er sich beim Radiohören in den Klang der Ney. Aber selbst nach seinem Umzug nach Istanbul, um dort ein Studium des Journalismus aufzunehmen, konnte er sich kein Instrument leisten, so dass er sein erstes aus einer Plastikrohrleitung baute. Obwohl Dede später einen Ney-Lehrer fand, verfolgte er erst einmal keine Musikkarriere. Die Photographie war sein Metier und zufällig sah ein Beauftragter der Saskatoon Public Library aus Kanada einige seiner Arbeiten und lud ihn ein, eine Ausstellung seiner Werke in Kanada zu machen.
Dede studierte daraufhin Multimedia in Saskatoon und arbeitete in einer Bar, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dort kam er zuerst mit der DJ-Kunst in Berührung. Eines Tages trat der DJ der Bar nicht an und Dede half aus. Die Technorevolution war gerade im Entstehen begriffen und Dede stieg gleich zu Anfang ein. Mitte der 80er Jahre reiste er unter dem Namen Arkin Allen als „Technotribalhouse“-DJ um die Welt. Als Mercan Dede debütierte er 1987 mit seinem ersten Album „Sufi Dreams“, das er auf Golden Horn Records aus San Francisco veröffentlichte. Das Album war ein minimalistisches Technoprojekt, das die Neyflöte featurte und erhielt eindrucksvolle Rezensionen.
Einige Jahre später zog Dede nach Montreal, wo er erst studierte, dann am Concordia College lehrte, und es ihn immer weiter in die aufblühende Technoszene zog. Aufnahmen unter dem Namen Mercan Dede sorgten für Aufmerksamkeit in Istanbul und ein Festival lud ihn zu einem Auftritt ein. Erwartet wurde ein älterer Herr, da Dede im Türkischen „Großvater“ bedeutet. Als die Zuschauer eine junge Band sahen, die Techno mit Tradition verband, waren sie zwar überrascht, aber der Name Dede blieb.
Seine erste Gruppe gründete Dede 1997 und veröffentlichte folgende weitere Alben: „Journeys of a Dervish“ (Golden Horn, 1999), „Seyahatname“ (Doublemoon, 2001) und „Nar“ (Doublemoon, 2002). Schon zu Beginn war die Gruppe aber eher eine Idee als ein beschlossenes Live-Set-Up. „Ich arbeite immer mit unterschiedlichen Musikern“, sagt Dede, „die ganze Zeit über. Wenn ich auf Europatour gehe, wähle ich in jedem Land, das ich besuche, einen Gastmusiker aus eben diesem Land. So funktioniert die Gruppe.“
Sowohl als Mercan Dede als auch sein Alter Ego Arkin Allen trat er bei so unterschiedlichen Events wie dem Black & Blue 98 auf (Montreal, 15.000 Zuschauer), einem improvisierten Konzert klassischer türkischer Musik im Canadian Museum of Civilization, dem Montreal Jazz Festival 2001 (mit Burhan Öçal und Jamaaladeen Tacuma bei einem Konzert namens „East Meets the West“ vor mehr als 150.000 Zuschauern). Am selben Abend, direkt nach dem Konzert, trat er im Spectrum auf, und zwar mit seinem Projekt Montreal Tribal Trio, wiederum als Teil des Festivalprogramms. Und schlussendlich elektrisierte er bei der Womex 2002 in Essen und dem Transmusicales Festival in Rennes im selben Jahr das Publikum.
Dede hat außerdem mit solchen Musikerpersönlichkeiten wie Peter Murphy, Natacha Atlas, Mich Gerber, Omar Sosa oder Maharaja zusammen gespielt. In den USA debütierte die Band im Januar 2004 im Rahmen von GlobalFest, einem wegweisenden World Music Marathon der Stadt, bei dem 16 Bands aus 5 Kontinenten auftraten. Darüber hinaus steuerte Mercan Dede Musik für Pina Bauschs Werk „Istanbul“ bei, das eben in dieser Stadt im Frühjahr 2003 aufgeführt wurde und ist vom türkischen Kultusministerium zum Musikdirektor für das Güldestan Projekt ernannt worden, das türkische Kultur und Kunst in der ganzen Welt repräsentiert.
Mit „Su“ (= Wasser) veröffentlichte Mercan Dede 2005 sein von der Kritik gefeiertes zweites Album in der Serie über die Elemente, das er mit „Nar“ (= Feuer) begonnen hatte. Auch in anderer Hinsicht war 2005 ein ereignisreiches Jahr für den Künstler: er wirkte in „Crossing The Bridge“ mit, Fatih Akins Dokumentarfilm über die Istanbuler Musikszene und absolvierte unzählige Auftritte. Darunter u.a. beim Jazzfestival in Moers und auf dem Ars Electronica Festival. Dazu hielt er sich mit „Su“ zwei Monate an der Spitze der WMCE-Charts und wurde gleich 2x für den renommierten World Music Award der BBC nominiert. Und auch das Jahr 2006 wird ihn nicht zur Ruhe kommen lassen. Mit „Nefes“ (=Atem) wird am 23. Juni 2006 sein drittes Album über die Elemente veröffentlicht. Erste Tourdaten stehen auch schon; darunter das Stimmen-Festival in Lörrach am 5.8.2006.

Mercan Dede möchte seine außergewöhnliche Musik und Bühnenkunst in die ganze Welt bringen, weil er spürt, dass ihr Geist eine Botschaft von Verständnis und Versöhnung enthält. „Ich mag keine Separation“, sagt Dede. „Vom Sufi-Dichter Rumi stammt ein sehr guter Spruch: ‚Wenn du überall bist, bist du nirgends. Wenn du irgendwo bist, bist du überall.‘ Mein ‚Irgendwo‘ ist in meinem Herzen. Ich versuche es zu verstehen. Der Rest – der Hype, die Trends – sind nicht wichtig. Anstatt über den Irakkrieg zu reden, kannst du einen Ton aus einem kleinen Musikinstrument aus einem irakischen Dorf zaubern, und den Menschen damit mehr darüber erzählen, was dort geschieht. Für mich ist die Zukunft elektronisch und folklorisch.“

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Caravan Palace – treibender Elektro-Swing mit Tanzgarantie. Die Band aus Paris gibt dem Swing seinen angemessenen Platz im 21.Jahrhundert.