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Natacha Atlas - Moungaliba
Zusammen mit einem 20-köpfigen türkischen Ensemble und einem Kammerorchester, die westliche und arabische Stile zusammenführen, erschafft Natacha Atlas mit Moungaliba subtile Schönheit – eine erstaunliche Kombination aus neuen Songs, bewegenden Zwischenspielen und einer genialen Interpretation von Nick Drakes The Riverman.
”Ich hoffe, ich habe es geschafft, die Lyrik klassischer Musik mit der Poesie arabischer Musik zusammenzubringen. Durch das Nebeneinanderstellen westlicher klassischer Streicher und traditioneller Instrumente, klassischer arabischer Poesie gegen abstrakten Impressionismus, traditionelle arabische Percussion mit rauchigen Jazz-Elementen – damit wollte ich eine Melange von Ideen und vermeintlichen Gegensätzen erreichen. Was ich vermitteln möchte, ist ein Gefühl der Umkehr – eine Wende in der Gesellschaft, in unseren politischen Systemen und Glaubenssystemen, eine Wende von der Spiritualität hin zum Materialismus.“
An den meisten Songs auf Mounqaliba in klassischem Arabisch hat Natachas musikalischer Partner Samy Bishai mitgeschrieben. Er ist in Ägypten aufgewachsen und hat bei Russen und Armeniern in Alexandria westliche klassische Geige gelernt. Die beiden begannen nur einige Tage nach Natachas achtzehnmonatiger Welt-Tournee im November 2009 mit der Arbeit an Mounqaliba.
Für Natacha war die Arbeit an dem Album ein intensiver kreativer Prozess, der in einem Aufnahmestudio im Südosten Londons stattfand, mit Ausblick auf die Container-Häfen der Themse. Ein passender Ort, um ihr Markenzeichen weiter zu entwickeln: die Fusion arabischer und westlicher Musik. “Ich war viel stärker an der musikalischen Komposition des Albums beteiligt. Ich war, von Anfang bis Ende, viel mehr eingebunden als bei jedem anderen Album, das ich bisher gemacht habe.”
Der Titeltrack begann als “eine Wehklage über den Zustand der Welt; darüber, dass wir an einem Wendepunkt sind; wie widersinnig und auf dem Kopf alles ist, und wie weit wir davon entfernt sind, zivilisiert zu sein. Es scheint so, als wären wir im dunklen Zeitalter – auf eine perverse, moderne Art. Herausgekommen ist ein Instrumental, zwar mit Stimmen, aber ohne Worte.”
Obwohl die Hauptthemen des Albums eher dunkler Natur sind, wird diese Dunkelheit abgemildert von Titeln wie Nafoura (Brunnen), ein Wiegenlied, das auf einem von Natachas Gedichten basiert. Der Song schließt das Album mit einem Lobgesang auf die
Liebe und deren leuchtende Kraft – mit den Worten “du bist mein Brunnen des Lichts, du bist mein geheimer Garten.” Da ist außerdem noch eine lebhafte und fröhliche Interpretation eines 400 Jahre alten Mwashah aus der klassischen arabischen Poesie, arrangiert von Atlas und Bishai im ost-westlichen orchestralen Stil der Rahbani Brothers.
Neben einem 400 Jahre alten Cover steht ihre wunderschön reiche, flüssige Version von Nick Drakes Klassiker Riverman, und ein neuer Song von Tim Whelan (Transglobal) und Natachas Cousin (und ihr Perkussionist) – Aly El Minyawi.
La Nuit Est Sur La Ville ist eine Aufarbeitung von Francoise Hardys Repertoire – mit dem Ergebnis einer akustische-arabischen Pop-Interpretation von Hardys eher obskuren selbst verfassten Songs. Taalet wiederum ist ein zärtlich-munteres Hochzeitslied, das mit seinem Charme besticht und gleichzeitig das traditionelle Folklore-Leben des mittleren Ostens vertont.
Unter die Fusion ost-westlicher Streicher-Ensembles und orchestraler Texturen mischen sich Ney, Akkordeon, Gitarre und Piano. Doch obwohl das Album in der Hauptsache akustisch ist, macht Natacha auch Gebrauch von digitalen Beats. “Da gibt es einen Track, bei dem wir die arabische Percussion mit elektronischer Programmierung bearbeitet haben. In den meisten Fällen, wenn arabische und westliche Musik kombiniert werden, werden die arabischen Beats den westlichen angepasst. Das ist nämlich der einfachste Weg, diese beiden Welten zusammen zu bringen. Das haben wir nicht gemacht – dadurch klingt der Song modern, ohne seine arabische Identität zu verlieren.”
Anklänge von elektronischem Design, zusammen mit Feldaufnahmen aus Kairo, Marrakesch und von anderen Orten – tauchen auf dem Album in Form von sechs cinematischen Interludes auf. Hier ist außerdem ihr türkischer Keyboarder zu hören, der im kraftvollen, eindringlichen Muezzin-Stil singt, sowie die Worte und Ideen von Peter Joseph aus der Zeitgeist-Bewegung. “Er erzählt einen Film namens Addendum, in dem es um das Geldsystem geht. Er hat Dinge gesagt, die einen wirklich nachdenklich stimmen. Mit dem Albumtitel und der Idee, in die entgegengesetzte Richtung zu gehen, zurück zum Chaos, dachte ich, es wäre interessant, diese Ausschnitte in das Album zu integrieren. Die sechs Zwischenspiele sind interessante filmisch-musikalisch Reisen für sich selbst. Sie erfüllen auf dem Album einen programmatischen Zweck, sie korrelieren mit der Musik um sie herum. Für mich ist es also in der Tat ein Konzeptalbum – etwas, das ich noch nie vorher gemacht habe.”