Impressum

E-mail: info@f-cat.de | Telefon: +49 (0)30 26 103 29-20 deutsche Version english version

f-cat productions

Login-Daten

Kennwort vergessen?

Neu hier? Registrieren

Tickets

Konzerttickets zu vielen unserer Künstler gibt es ab sofort in unserem neuen Ticketshop.

Progressive Jazz, Weltmusik

Portico Quartet

| England

Das Portico Quartet besteht aus einem Haufen Jungs Anfang 20, die instrumentale Musik spielen. Vor vier Jahren taten sie sich aus zwei Gruppen alter Schulfreunde zusammen. Sie teilen sich ein Haus im Osten Londons, nehmen Songs auf und spielen in Clubs und auf Festivals. Was sie von Dutzenden anderer hoffnungsfroher Einwohner des Stadtteils Hackney unterscheidet, ist die Art wie sie klingen – wie eine frische, klischeefreie Neu-Entstehung und Neu-Erfindung von Musik, die zugleich angenehm vertraut und aufregend neu ist. Wie Weltmusik aus der Zukunft. Mit größtenteils akkustischen Mitteln – Schlagzeug, Bass und Blasinstrumenten - haben sie ihrer Gruppe eine Handschrift verpasst, die man sofort wiedererkennt. Einen wesentlichen Beitrag leistet zudem der Einsatz des Hangs (Berner Dialekt für „Hand“) - ein Instrument, das die Jungs aus einem Impuls heraus auf einem Musikfestival gekauft haben. Dank des melodischen Schlag-Instruments erschaffen sie einen Sound, der augenblicklich anzieht, jedoch kompromisslos individuell ist. Dies gepaart mit der fröhlichen Eloquenz ihrer Auftritte hat das Portico Quartet in nur kurzer Zeit weit vorwärts gebracht.

Die Band besteht aus Duncan Bellamy (Schlagzeug und Elektronik), Milo Fitzpatrick (Kontrabass, Bass und Elektronik), Jack Wyllie (Sopran- und Tenor-Saxophon, Elektronik) und Keir Vine (Hang und Keyboard; er hat im Mai 2011 den ursprünglischen Hang-Spieler Nick Mulvey abgelöst).

Als sie 2005 ganz bodenständig mit Straßenmusik im Bezirk South Bank an Londons Themse begannen, verbreitete sich ihr Ruf schnell. Es folgten erste bezahlte Gigs, u.a. einer beim “Odd Festival”, und die Aufnahme einer 5-Track-CD, die sie bei ihren Auftritten verkauften. 2007 unterschrieben sie einen Platten-Deal, um eine CD in voller Länge aufzunehmen: “Knee Deep In The North Sea” (Babel/Vortex). Das war der Wendepunkt: Das Album zog die Aufmerksamkeit von DJs, Bloggern und Kritikern aller Coleur auf sich und wurde 2008 für den Mercury Music Prize nominiert. Und das in derselben Kategorie wie Rachel Unthank, The Last Shadow Puppets, Radiohead und Elbow – eine Win-Win-Situation für echte Newcomer wie Unthank und das Portico Quartet.
Jetzt hat die Band ein weiteres Album am Start: "Isla" (Real World Records) ist eine nachdenkliche und sehr melodische Sammlung von neun Stücken, die Produzent John Leckie an der Abbey Road no. 2 aufnahm - ein Studio-Raum, der Dank Größen wie George Martin, The Beatles, Kate Bush uvm. legendär ist.
Leckies Aufnahmen gelten als Katalysator für aufstrebende Talente: Berühmte Beispiele sind Stone Roses, Doves, XTC und Radiohead. Sie ebneten aber auch den Weg für Weltmusik-Stars wie Rodrigo & Gabriela und Papa Wemba genauso wie für das “Systems Music”-Orchester Lost Jockey, das Man Jumping, ZTT’s Andrew Poppy, Orlando Gough und Soundtrack-Oberboss John Lunn hervorbrachte.

Die Geschichte des Portico Quartet beginnt 2004: Bellamy und Mulvey, die sich in der Oberstufe der Universität in Cambridge kennenlernten, besuchten das Weltmusik-Festival WOMAD bei Rivermead in Reading. An einem Musik-Stand stießen sie zum ersten Mal auf das „Hang“. Bellamy kaufte eines der letzten vier vorrätigen Exemplare: „Es war mein Geburtstag, ich hatte etwas Geld auf dem Konto und lieh den Rest von Freunden“, lacht er, „der Grund: warum auch nicht?“ Ein paar Tage später bestellte auch Mulvey ein Exemplar, das einen passenden Klang hatte, und begann, mit Bellamy zu experimentieren.
Felix Rohner und Sabina Schaerer von PANArt aus Bern in der Schweiz haben das “Hang” entwickelt und im Jahr 2000 erstmals gebaut. Das Hang ist ein gestimmtes Metall-Percussion-Instrument, das aussieht wie zwei zusammengeschweißte Woks mit einzelnen Vertiefungen. Der Klang erinnert an die Mbira (auch: Daumenklavier) und die Steel Pan (bzw. Steel Drum). Das Hang verfügt jedoch über eine Melodie- und Klangfülle, die auf die Vielfalt möglicher Obertöne zurückzuführen ist.

Bis sie Portico Quartet im Frühling 2005 gründeten, bemerkten Bellamy und Mulvey nicht, wie wichtig das Instrument für sie sein würde. “Seine Beschränkungen waren auf eine paradoxe Weise wirklich befreiend”, sagt Mulvey. “Sie haben mich dazu gebracht, hinsichtlich der Musik Entscheidungen zu treffen. Ich denke, dass es mich zu einem besseren Musiker mit einem "weniger ist mehr"-Anspruch gemacht hat - weniger zu tun und mehr zu hören.”
Bassist Fitzpatrick, der Saxophonist Wyllie bereits seit der Vorschule kennt, vermisst die Freiheiten, die ein eher chromatisches Instrument der Gruppe vielleicht bringen könnte, nicht. „Die Beschränkungen des Hangs sind doch nur dieselben, die ein Musiker in sich selbst trägt,' sinniert er. „Selbst wenn man ein Klavier mit all den Tasten und Tönen vor sich hätte, würde es keinen Unterschied machen; es kommt nur darauf an, wie man sein Inneres auszudrücken vermag.“
So haben sich die “Einschränkungen”, welche mit der ungewöhnlichen Besetzung des Portico Quartet einhergehen, als Tor herausgestellt: Zu einer Welt musikalischer Möglichkeiten, so zu klingen wie niemand anderes, wie Weltmusik von einem anderen Stern. Und doch ist da nichts Außerirdisches an ihrer Musik: Die vier Hauptstimmen - Saxophon, Bass, Schlagzeug und Hang – kommunizieren mit der Intensität eines Streichquartetts, der Ungezwungenheit einer Jamsession und der jungen Fröhlichkeit einer Popgruppe.

Portico Quartet scheint mühelos an allen allen potenziellen Hindernissen vorbeigeglitten zu sein, die die heutige Musik-Kultur für eine instrumentale Band bereithält, die akkustische Musik mit ungewöhnlichen Instrumenten spielt: Sie haben Glück, aber sie selbst sind auch dessen Schmied gewesen. Ich hörte das erste Mal von ihnen per Mundpropaganda und über ihren YouTube-Clip zu “Still Life With Flowers” - einer Animation von Leo Bridle (ein Southampton-Schulfreund von Wyllie), in der er ihre Musik klug einsetzt.

Als ich sie das erste Mal auftreten sah – 2007 während des Wiedereröffnungs-Wochenendes des Southbank Zentrums – führte ihre freie, aus dem Stehgreif gehaltene Darbietung innerhalb von Sekunden zu richtigen Ansammlungen bunt zusammengewürfelter Publikumsgruppen. Leute jeden Alters und Typs lächelten vergnügt und anerkennend bei einer Musik, die sie vorher nie gehört hatten. Es ist kein “easy listening“, aber ein freundlicher Sound - aus Gründen, die sowohl musikalisch wie gesellschaftlich sind. Wie Mulvey sagt: „Der volle Klang des Hangs umarmt wirklich alles drumherum.’
Welche Wurzeln hat ihre Musik? Wenn man die Jungs nach bedeutenden musikalischen Erfahrungen fragt, sprudeln die Namen nur so: von Queen und Miles Davis über EST und Philip Glass zu Toumani Diabaté, außerdem noch einige mehr aus Afrika, Asien und der Karibik. Und alle vier nennen Steve Reichs “Music For 18 Musicians”, das noch vor ihrer Geburt entstanden ist, als prägendes Album: “Meine Mutter schenkte es mir zu meinem 15. Geburtstag,” erinnert sich Mulvey, “und es war so – phwoo – Technicolor!’
Allesamt sind sie im Jazz, der klassischen und populären Musik geschult. Wyllie und Mulvey studierten die Mbira und Balinesische Gamelan an der SOAS (School of African and Oriental Studies), wo sie 2004 aufeinandertrafen. Mit dem neuen Hang-Spieler Keir Vine verbindet sie auch schon eine jahrelange Freundschaft und Zusammenarbeit. Am Wichtigsten: die Mitglieder des Portico Quartet lernten ihre Musik voneinander und wuchsen als Band unabhängig auf; so gingen sie diskret auf Distanz zu der absonderlichen Jagd nach Förderprogrammen für zeitgenössische Klassik, den von knappen Kassen geplagten Lehrstühlen der Jazzszene und dem wetteifernden Konkurrenzkampf unter Indies.

"Isla", das neue Album, ist ein weiterer Schritt nach vorne. Produzent Leckie hat Klarheit in ihre Arrangements gebracht, während die Musiker das Studio geschickt genutzt haben, um ihren Sound mit Loop-Pedalen, Echtzeit-Elektronik und Overdubs zu formen und aufzuwerten. Und doch: 70 Prozent des Albums wurden live an der Abbey Road eingespielt, was bedeutet: Das ist ein Band, die live das hält, was sie auf ihren Aufnahmen verspricht – und umgekehrt. Ihre gemeinsamen Kompositionen beschwören ein Universum musikalischer Möglichkeiten und Einflüsse herauf. “Am Ende kommt die Summe all unserer Anteile - und von allem, was wir je gehört haben - heraus”, sagt Wyllie. Und doch gibt es bis jetzt niemanden aus Jazz, Welt- oder zeitgenössischer Musik, der so klingt wie Portico Quartet. Jeder der neun entstandenen Tracks ist innerhalb dieser einzigartigen Klangwelt fest verankert und besitzt doch eine eigene ausgeprägte Stimmung und Atmosphäre.

Vom peitschenden Wirbel des “Clipper” zu den gestampften Pedalen der “Dawn Patrol”; von den zerbrechlichen Ostinatos (sich stetig wiederholende musikalische Figuren) bei “Line” zur hymnischen Gesamtheit des Titeltracks ist Isla ein Album, das bei jedem Hördurchgang neue Nuancen und Facetten offenbart.

Einige Veteranen der Musikindustrie äußern manchmal die Befürchtung, dass die neuen Zuhörer und Interpreten das Interesse an der Musik selbst verlieren, dass sich die Musik in jeder Hinsicht entmaterialisiert, während andere Modeerscheinungen in den Vordergrund treten. Das Portico Quartet widerlegt solche Ängste. Wie ihre Fans und Anhänger sind auch sie wie selbstverständlich mit einer gobalen Jukebox an Sounds aufgewachsen, die jedem Menschen mit Neugier und einer Internetverbindung zur Verfügung steht. Was sie spielen, kann nicht einfach nur als World, Jazz, Pop, Rock, Roots oder zeitgenössische klassische Musik abgestempelt werden; das Quartett zieht seine Stärke und Inspiration aus all diesen Genres. Die Jungs verstehen die Macht der Performance und das Potential der Musik, durch ihre Grundelemente zu kommunizieren: Rhythmus, Harmonie, Melodie und Timbre. Und als eine Band aus Freunden haben sie einen kollektiven Sound hervorgebracht, der vielfache musikalische Erinnerungen hervorruft, und doch wahrhaftig neu bleibt; ein Sound, der eine warme, neue Note erklingen lässt, die sogar noch lange mitschwingt, nachdem der letzte Track geendet hat.

Der englische Original-Text stammt von John L Walters August 2009, Übersetzung und leichte Änderungen wurden von F-Cat Productions vorgenommen.

On Tour

Gianmaria Testa (8319 Bytes)

Gianmaria Testa - VITAMIA

10.02. CH-Zürich
11.02. D-Köln
12.02. D-Karlsruhe
13.02. D-Nürnberg
14.02. D-Bremen
15.02. D-Hannover
16.02. D-Dortmund
17.02. D-Hamburg
18.02. D-Berlin
19.02. D-Dresden
20.02. D-Frankfurt
03.05. A-Bregenz
04.05. A-Linz
05.05. A-Wien
06.05. A-Salzburg