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Cuban Pop Music

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Als Raúl Paz in den 1970er und 80er Jahren in Pinar del Rio aufwuchs, schenkte er den Guajira-Jamsessions und Nueva-Trova-Liedern kaum Interesse. Kubanische Volksmusik war damals nicht sein Ding. Er interessierte sich mehr für Klänge, die nicht aus Kuba kamen, die Songs von Led Zeppelin und Bob Marley, die er gelegentlich im Radio hörte.
Mit 10 Jahren begann er, eigene Songs zu schreiben, und begleitete sie auf einer Gitarre, die ein Nachbar ihm geschenkt hatte. Seine Eltern wollten, dass er die Musik fallen ließ und etwas Nützliches studierte, wie Naturwissenschaften oder Medizin. Aber das klappte nicht, und mit 17 verließ er seine ländliche Heimat und ging nach Havanna. Er studierte Theater und Musik am Instituto Superior de Arte. Er hörte Jazz und klassische Musik und sang Oper. Er bekam Rollen in Film und Fernsehen. 1990 spielte er in Hello Hemingway unter der Regie von Fernando Perez mit und war im kubanischen Fernsehen zu sehen, weshalb viele Leute ihn in Kuba als Schauspieler kennen.
1996, mit 27 Jahren, verließ Raúl Paz Kuba und lebte in Südamerika (Brasilien, Argentinien, Uruguay), bevor er schließlich in Paris landete und klassische Musik an der Scola Cantorum studierte. Ausgerechnet in Frankreich begann seine musikalische Karriere ernsthaft. Jeden Dienstagsabend trat er im Folies Pigalle auf, einem ehemaligen Stripteaseclub in Paris. Dann wurde er von dem französischen Musikproduzenten Olivier Lorsac und dem amerikanischen Produzenten Ralph Mercado entdeckt und bekam einen Plattenvertrag. Sein erstes Album "Imaginate" wurde in Gloria Estefans Studios in Miami aufgenommen und verkaufte sich 100.000 Mal. Seine nächste Platte mit dem Titel "Contigo" (2000) war ein Marschflugkörper, der auf die Tanzflächen von Ibiza gerichtet war, mit Beiträgen von DJs Arian B.H.T und Ingmar Hänsch - und sie traf ihr Ziel.
Nach dem Erfolg von "Contigo" erschien im Jahr 2003 "Mulata", ein Album das in Zusammenarbeit mit dem deutschen Produzenten Mousse T zwischen Paris und Hannover entstand. "Mulata" vereint kubanische Instrumente und Samples aus Hannover, eine Symbiose aus Pop, Balladen, Hip Hop Beats und Dub. Mit "Mulata" begann zudem Raul Paz Karriere in Deutschland, einige Songs wurden sogar im Radio gespielt. Sein nächstes Album "Revolucion" erschien im Früjahr 2005.
Im Jahr 2006 erschien "En Casa". Nach all den Jahren des Reisens und der „Selbstfindung“ war Raúl Paz nach Hause zurückgekehrt. Das Album ist eine prägnante Sammlung akustischer Boleros und kubanischer Balladen, aufgenommen in den legendären EGREM-Studios von Havanna. Raúl bezeichnete das Album als Hommage an seinen Vater, der im Jahr 2000 gestorben war, und es ebnete den Weg für seine Rückkehr nach Kuba.
Er hatte davon geträumt, nach Kuba zurückzukehren, seine Musik für ein Publikum zu spielen, das all die kleinen kubanischen Nuancen seiner Texte verstand. „Ich wollte ihre Billigung", erinnert er sich, „ich brauchte sie wie ein Sohn, der hören möchte, dass sein Vater stolz auf ihn ist." Sein Live-Album "En Vivo" (2007) dokumentierte zwei Shows, eine im Acapulco-Kino in Havanna, die andere in einem kleinen Club in seiner Heimatstadt in Pinar del Rio. Im August 2008 zog Raúl Paz endgültig nach Havanna zurück. Heute lebt er in einer Wohnung im Stadtteil Vedado, mit seiner Frau Rachel und ihren beiden Söhnen.
Im August 2010, erschien sein aktuelles Album "Havanization", bei dem er einen überzeugenden Weg gefunden hat, seine Erfahrungen aus Frankreich und den USA nach Kuba zu tragen. Seine Musik braucht keinen Überbau. Sie kann einfach als das genommen werden, was sie ist: eine überaus fröhliche, kraftvolle, bunte Mischung von Songs, die mit allen nur denkbaren Zutaten angereichert ist, unmittelbar vom Ohr in Beine, Bauch und Blut übergeht und auch beim hundertsten Hören noch voller Überraschungen steckt.